Es gut ist, dass man nicht die Zukunft kennt.

Es ist jetzt 31 Jahre her. Mein Vater hatte Lungenkrebs. Am 9. Januar 1988 am Abend habe ich ihn zum letztenmal gesehen.

Er hat auf meinen Bruder gewartet. Mein Bruder war junger Offizier und hatte Weihnachten und Sylvester keinen Urlaub bekommen. Es war kalter Krieg. Nun hatte er Sonderurlaub bekommen weil Vater im Sterben lag. Er kam nachts mit dem letzten Zug. Vater hatte noch nicht geschlafen, er hat gewartet und wollte seinen jüngsten Sohn sehen.

Am Morgen des 10. Januar kam mein Bruder zu mir und sagte : Papa ist heute Nacht eingeschlafen.

Meine Mutter hat in dieser Nacht kaum geschlafen. Sie hat gegen 3 Uhr gehört, dass er nicht mehr atmet.

Am Vormittag kam der Arzt und stellte den Totenschein aus. Die Bemerkung des Arztes, dass mein Vater ein starkes Herz gehabt haben muß, weil er die starken Medikamente solange vertragen hat, hat uns sehr erschüttert. Dieser Arzt hatte ihn vorher monatelang wegen Herzschwäche behandelt ohne zu erkennen, dass es Lungenkrebs ist.

Mein Vater ist in dem Glauben gestorben, dass seine Jungs eine Zukunft haben. Passt auf Mutti auf, wenn ich nicht mehr bin.

Wenn er geahnt hätte, dass mein Bruder wenige Monate später ein Opfer des kalten Krieges wird, wäre er wahrscheinlich verrückt geworden. Deshalb ist es gut die Zukunft nicht genau zu kennen.

Meine Mutter musste damit leben, dass sie innerhalb eines Jahres Mann und einen Sohn verliert. Nun bin ich 6 Jahre älter als mein Vater war. Ich bin der Älteste und der Letzte von 3 Brüdern.

Meine Söhne haben die Wehrpflicht hinter sich. Nun muß ich aufpassen, dass keiner der Jungs, die mich Opa nennen zur Armee geht. Es gibt keine Bedrohung für Deutschland. Deshalb ist es nicht notwendig dass unsere Jungs für die Fehler der Politiker ihr Leben riskieren.

Author : Gustav

Gustav

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